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«Ein Stück Freiheit»: Mit neuen orthopädischen Schuhen macht dieser Thurgauer einen Schritt in Richtung Selbständigkeit

Artikel im Tagblatt.ch
Rossella Blattmann
04.12.2020, 12.20 Uhr

Manfred Göldi hat Epilepsie und leidet seit einem schweren Unfall in seiner Kindheit an einer Fehlstellung der Füsse. Um schmerzfrei gehen zu können, braucht er orthopädische Schuhe. Dank der Weihnachtsaktion «Ostschweizer helfen Ostschweizern» kann er sich diese leisten.

Im Hinterthurgau ist es kalt und grau, doch Manfred Göldi strahlt. Voller Vorfreude steht der grossgewachsene 61-Jährige vor der Eingangstür der Murg-Stiftung, einem Wohnhaus mit integrierter Beschäftigung für Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung in Littenheid bei Sirnach.

Göldi humpelt langsam und vorsichtig die Treppe hinunter. Gestützt auf seinem Stock posiert er für den Fotografen dieser Zeitung. Er trägt schwarze orthopädische Schuhe, die gebraucht aussehen. Der Thurgauer leidet seit einem Unfall in seiner Kindheit an einer Fehlstellung der Füsse und ist auf die spezielle Fussbekleidung angewiesen.

Ein schwerer Unfall veränderte alles

Alles begann vor 50 Jahren in Eschlikon, wo er aufwuchs und in der Schreinerwerkstatt des Vaters arbeitete. Es ist Weihnachten, und der zehnjährige Manfred Göldi geht mit seinen Gspänli schlitteln. Als er eine Strasse hinunterrodelt, kommt es zum tragischen Unfall. «Plötzlich kam mir Vollgas ein Auto entgegen», sagt er aufgeregt, und nimmt einen Schluck Mineralwasser. Göldi bricht sich beide Beine, liegt lange im Spital. «Seither kann ich nicht mehr schmerzfrei gehen.»

Manfred Göldi sitzt an einem brauen Holztisch, drinnen in einem warmen Zimmer, neben ihm sitzt seine Betreuerin Carla Scherrer. Bis vor zehn Jahren lebte Göldi mit seiner Mutter in Eschlikon. «Als die Mutter ins Pflegeheim musste, kam er zu uns», sagt Scherrer.

«Ich habe ‹Epi›»

Göldi nennt denn Grund gleich selbst: «Ich habe ‹Epi›.» Seit seiner Kindheit leide er an Teils schweren epileptischen Anfällen. «Ich lag am Boden und hatte weissen Schaum vor dem Mund.» Göldi spricht schnell, abgehackt, muss seine Sätze immer wieder von vorne anfangen. Sprachstörungen gehören neben Depressionen, Vergesslichkeit, oder Lähmungen zu den Folgen eines epileptischen Anfalls. Seit er im Wohnhaus der Murg-Stiftung wohne, kämen die Anfälle zwar nicht mehr so oft vor, und seien weniger heftig, sagt Scherrer. «Doch er kann wegen der Epilepsie nicht selbstständig leben und ist auf Betreuung angewiesen.»

Dank «Ostschweizer helfen Ostschweizern» ein Schritt in Richtung Selbstständigkeit

Die orthopädischen Schuhe, die für Göldi ein Stück Selbständigkeit bedeuten, kosten viel Geld. Und dieses ist knapp. Der 61-Jährige lebt laut Scherrer von einer IV-Rente, Ergänzungsleistungen, und 250 Franken Lohn. «Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für die Schuhe leider nicht», sagt sie. Darum hat Göldis Beiständin von der Regionalen Berufsbeistandschaft Bezirk Münchwilen (RBBM) bei OhO Hilfe gesucht und erhalten: Der beantragte Betrag für 685 Franken wurde genehmigt.

Als er gehört habe, dass er neue Schuhe bekommen wird, hat sich Göldi sehr gefreut: «Ich war überglücklich.» Mit den orthopädischen Schuhen und dem Stock könne er schmerzfrei gehen. «Ich bin viel selbstständiger, kann meine Schwester in Zürich besuchen, nach Wil einen Kaffee trinken gehen. Die Schuhe bedeuten für mich ein Stück Freiheit.»

«Ostschweizer helfen Ostschweizern»

Die Weihnachtsaktion «Ostschweizer helfen Ostschweizern» (OhO) unterstützt Menschen in der Region. Träger des unabhängigen Vereins sind das «St.Galler Tagblatt» und seine Regionalausgaben sowie das Ostschweizer Fernsehen TVO und Radio FM1. Seit 2005 wird jeweils in der Vorweihnachtszeit Geld gesammelt und, wenn immer möglich, bis Weihnachten überwiesen. Spenden kann jeder, auch kleine Beträge helfen. OhO will entlasten und eine Freude bereiten. Die Aktion unterstützt sowohl Einzelpersonen als auch Familien aus den Kantonen St.Gallen, Thurgau und den beiden Appenzell. (red.)

Link zum Film: OHO: Eine Spendenaktion in der Ostschweiz 

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